London

Ich habe endlich herausgefunden wie das W-lan an der Universität funktioniert. Auf Berichte aus meinen eigenen vier Wänden müssen wir wohl noch eine Weile verzichten. Das Haus gleicht einer Baustelle. Bei Gelegenheit gewähre ich euch mal einen Einblick! Hier erstmal meine Kammer:

Seit über einer Woche bin ich nun schon hier und fühle mich nur unmerklich anders als bei meiner Ankunft. Mein Kopf scheint permanent überfordert zu sein und verlangt nach Schlaf. Um das Jahr hier aber nicht zu verträumen versuche ich bis zum Studienbeginn soviel wie möglich zu unternehmen. Ich war in den letzten Tagen fast jeden Abend im Zentrum unterwegs, bin durch Pubs gezogen oder hab am Strand philosophische Gespräche geführt. Bisher habe ich noch keine Bilder von Brightons Innenstadt gemacht, das folgt aber zeitnah, versprochen! Die Lanes sind einfach wunderschön anzuschauen und es entspannt durch diese schmalen Gassen zu schlendern diese Küstenstadt zu genießen. Morgen nehme ich an einer offiziellen Brighton Stadtführung teil und bin sehr gespannt was der Historiker zu erzählen hat. Am Sonntag ist dann die offizielle Willkommensparty für uns Neulinge, hier liebevoll Freshers genannt.
Nachdem mir am Donnerstag gesagt wurde, dass ich erst ab dem 02.10. registriert werden kann und vorher keine Möglichkeit besteht die Bibliothek zu nutzen, konnte ich natürlich nicht widerstehen, hab meine letzten Pfund zusammengekratzt und bin nach London gefahren.

Diese Stadt liebt mich wirklich!
Mein Spaziergang begann am Buckingham Palace. Mehr als der Palast an sich beeindruckte mich das, scheinbar Viktoria gewidmete, Denkmal davor. Ich bin noch dabei herauszufinden welche Bedeutung die einzelnen Elemente des Denkmals haben.




Meine Tour führte weiter durch einen wunderschönen Park zum Houses of Parliament.


Ich hatte in meinem praktischen Reiseführer gelesen, dass man den Debatten beiwohnen kann. Leider sind auch englische Politiker sehr faul. Die nächste Debatte gibt es erst nach dem 10.10. So blieb ich draußen und hab beim Spaziergang durch Westminster sogar einen zauberhaften Eingang zu einer Schule entdeckt.


Der Typ davor könnte auch Lehrer in Hogwarts sein!

Schließlich schob ich mich vorbei an den anderen Touristen über die Brücke Richtung London Eye. Auf der Brücke habe ich dann den jungen Mann hier bewundert und nur für meine liebste Wahlschottin in Wachwitz ein kleines Video gedreht.


Bitte entschuldigt die Qualität des Werkes, aber ich bin mit der Technik meiner Kamera noch nicht so vertraut und habe die Mängel erst am heimischen Rechner bemerkt. Jetzt weiß ichs besser!

Am London Eye brauchte ich erstmal eine Pause und habe die SONNE (!) genossen.


Ich spazierte dann weiter die Themse entlang bis zur Millenium Bridge. Weil ich hier ja vor wahnwitzigen Ideen nur so strotze habe ich entschlossen den Weg zur St. Pauls Cathedral auf diese Art anzutreten.



Ich habe tatsächlich überlebt!
Selbstverständlich habe ich mich dann in den Garten meines Lieblingsbauwerks gesetzt...

....und dann, auf einmal, ganz plötzlich, war ich angekommen. Ich saß da, hab tief durch geatmet, die Schultern fallen lassen und mir kamen die Tränen. Ich wusste nicht einmal warum. Die Anspannung der Reise und der Eindrücke der letzten Tage fiel in diesem kleinen Moment von mir ab. Diese Bank, in diesem Garten, zu Füßen dieser Kirche war gerade der Platz auf der Welt an dem ich zu Hause zu sein schien. Dort saß ich dann bis ich anfing zu frieren, weil die Sonne langsam unterging.

Mit einem nächtlichen Spaziergang zur Victoria Station verabschiedete ich mich dann von London. Auf dem Bahnhof wartete das erste winzige Kataströphchen auf mich. Der Zug nach Brighton fuhr nicht. Irgendein Problem mit der Stromversorgung. Also wurden alle Brightonreisenden in eine Bummelbahn geschoben. Eine Stunde später wurden wir auf einem Kuhkaff ausgeladen um dort auf die nächste Bummelbahn zu warten und eine weitere Stunde später in Brighton anzukommen. Endlich ging mal was schief! War ja auch nicht auszuhalten diese positive Stimmung hier.

Ich verschlief den nächsten Vormittag vollständig und habe den Rest des Wochenendes an der Universität mit Kaffee und Kuchen, Tee und Gesprächen zugebracht. Am Sonntag wurde in einer größeren deutschen Runde sogar die Wahl ausgewertet. Wenige der deutschen Studenten hier sind mir wirklich sympathisch, sodass es wohl bei dem Frauenmörder (für den ich unbedingt einen sympathischeren Spitznahmen brauche) und einer Philosophin bleiben wird.



Montag konnte ich endlich in mein Zimmer ziehen und wohne nun nicht länger in Brightons Zentrum, dafür aber nur 17 Minuten Fußweg von der Universität entfernt. Ich habe auf die Uhr gesehen und JA ich laufe langsam! In den nächsten Tagen werde ich öfter hier sein. Mittwoch habe ich mich in das Getümmel der Freizeitpräsentationen gestürzt und gleich mal die Rugbymädels ausfindig gemacht. Ich bin ja beinahe versucht mich auch für irgendeinen Wassersportkurs anzumelden, aber Segeln wird über die Universität wohl leider nicht angeboten.

Gestern habe ich dann die Mitarbeiter der Juristischen Fakultät kennengelernt und meine beiden Mitstudenten. Nein, ich habe mich nicht verschrieben! Mein LL.M Kurs besteht bisher aus drei Teilnehmern. Anscheinend gab es eine Änderung im UK-Visa System, sodass einige Studenten Probleme bei der Einreise haben und daher erst im Laufe des ersten Trimesters eintreffen. Da wir aber eine der Vorlesungen sowieso mit den anderen LL.M Studenten zusammen haben, wird es kaum auffallen, dass wir nur so wenige sind. Wir werden sehen was die nächsten Wochen bringen!

Momente in denen mir bewusst wird wo ich hier bin und warum sind selten. Meißtens funktioniere ich einfach und staune über mich selbst. Ich treffe Entscheidungen, ohne sie in Frage zu stellen. Ich wähle einen Weg, ohne mich zu fragen ob er auch sicher ist. Ich rase durch diesen neuen Alltag und schaue mir selbst dabei hinterher. Vielleicht schaffe ich es bald mich einzuholen!

Kommentare

  1. Du schaffst das, dass weiß ich genau!!!

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  2. das liegt daran, dass ich die wunderbaren fotos nicht aus dem kalender reißen möchte ;) du weißt genau ich liebe dich!

    ich muss es ja schaffen, ob ich nun will, oder nicht.

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