Vertrautes und Neues

Die letzten Tage waren seltsam, denn ein vertrautes Gesicht stürmte meinen liebgewonnen englischen Alltag.


Doch ganz entgegen seiner Natur meckert er wenig und lässt sich auf diese neuen Eindrücke ein. Ich genieße es unheimlich ihn um mich zu haben und versuche dieses wunderbar warme Gefühl zu speichern. Es ist spannend dieses Land mit seinen Augen zu sehen. Gleich am ersten Tag schlossen er und Odia Freundschaft. Eine Playstation und ein Fussballspiel machen es möglich. Meine Chancen stehen also gut entgegen aller Erwartungen sogar etwas für das Studium tun zu können.
Gestern wollte ich ihm natürlich unbedingt mein London zeigen. Wir brachen viel zu spät in Brighton auf und hatten so vor dem Rugbyspiel was wir im Twickenham Stadion sehen wollten nur noch knapp 2 Stunden in London. Das ist garnichts wenn man die Wege bedenkt die man in dieser Stadt zurücklegt. Dennoch habe ich es noch vor dem sportlichen Teil geschafft ihm Buckingham Palace, Big Ben und Westminster Abbey zu zeigen. Einen Blick aufs London Eye durfte er auch werfen, aber nur von Weitem! Ich hatte die Befürchtung er macht die Drohung mich da rauf zu schleifen wahr!
An diesem Tag also sollte ich zum ersten Mal ein Stadion betreten. Das Twickenham Stadion fasst 80.000 Menschen. Das Spiel der englischen Männer gegen die neuseeländischen Herren war ausverkauft also kamen uns vor dem Spiel der Damen eben diese 80.000 Rugbyfans entgegen. Unglaublich!


Noch unglaublicher ist jedoch, dass wir auf der Suche nach den richtigen Plätzen einem englischen Spieler in die Arme liefen. Nach kurzem Überlegen beschloss ich den Versuch zu wagen mir ein Autogramm zu holen. Duncan Bell war, ganz Engländer, unfassbar sympathisch und sehr besorgt darum meinen Füller nicht zu zerstören. Dieser Mensch ist offiziell "nur" 1,88 m groß. Als ich vor ihm stand hatte ich eher das Gefühl dem Koloss von Rhodos gegenüber zu stehen.
Ähnlich winzig fühlte ich mich schließlich auch im Stadion selbst. Es muss unsagbar laut und beeindruckend sein, wenn alle 80.000 Plätze besetzt sind.



Das Spiel war genial. Englands Frauen haben gut gekämpft und oft klar dominiert. Es war fantastisch Profis bei der Arbeit zuzusehen und hat mir riesige Vorfreude für mein erstes Heimspiel am kommenden Mittwoch verpasst.



Nachdem wir dann den Weg aus dem Stadion und die Fahrt im überfüllten Zug überlebt hatten, manövrierte ich Stephan geschickt zu Londons Herz, dem Piccadilly Circus. Bei meinem letzten Besuch dort wurde ich fast tot getrampelt. Dank des englischen Wetters und der späten Stunde konnten wir diesmal nahezu drängelfrei die Reklame, die Weihnachtsdeko und Londons Musik genießen. Piccadilly Circus sagt für mich alles über London. Dort trifft schrille Werbung auf klassischen Baustil, englische Pendler auf Touristen aus aller Welt, lärmender Straßenverkehr auf ruhige U-Bahn und viele andere Gegensätze verschmelzen zu einem einzigen Herzschlag: L O N D O N.

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