Perfektes England

Regen. Das beschreibt die letzten 2 Wochen am einfachsten und zutreffendsten. An einem guten Tag sind die Vormittag sonnig und nur die Abende und Nächte verregnet. Meist regnet es hier jedoch durchgängig. Das wäre gut zu ertragen, wenn es nicht überraschender Weise die Engländer von ihrem normalen Alltag abhalten würde. Hier werden zum Beispiel wegen dem Wetter Rugbytraining und sogar Rugbyspiele abgesagt. Das gute Spielfeld mit dem englischen Rasen könnte schließlich in Mitleidenschaft gezogen werden. Sehr iritierend!
Der Wind macht das Wetter nicht gemütlicher, verhindert aber in Versuchung zu kommen sich doch noch einen Schirm zu zulegen. Es wäre verschwendete Zeit und Geld. Meine Regenjacke und mein Hut leisten mir hier aber gute Dienste und so komme ich wenigstens halbtrocken durch die Regenzeit. Es könnte schlimmer sein! Es könnte schneien!
An diesem Wochenende waren wir noch einmal in London. Natürlich im Regen! Doch auch verregnet ist diese Stadt liebenswert. St. Pauls Cathedral strahlt wie immer


und vor dem Tower kann man derzeit Runden auf Schlittschuhen drehen.


Abgesehen von der Straßenbeleuchtung das erste öffentliche Weihnachtsanzeichen, das mir hier begegnete. Wobei ich heute beobachten durfte wie eine riesige Tanne auf dem Campus aufgestellt wurde. Ich hoffe der wird nicht mit Ersties dekoriert!


Doch dank eines Paketes aus Dresden hatte ich pünktlich zum ersten Advent Dresdner Christstollen! Köstlich! Bruce und meine Mitbewohner waren auch begeistert. Das Meiste habe ich jedoch frech für mich behalten und werde jeden Tag ein Stück davon genießen!


In den letzten elf Tagen habe ich ein paar Dinge gelernt. Ganz unbewusst und erst jetzt wo ich darüber schreiben möchte fällt mir wirklich auf wie wichtig sie sind.
Diese Zweisamkeit war etwas unheimlich wertvolles und ich habe jeden Moment genossen. Es war traumhaft ein Stück des Abenteuers teilen zu können und zu sehen, dass man nicht als Einzige diesen Ort wundervoll findet. Ich bin also nicht verblendet von meiner Idee vom perfekten England, es ist einfach alles so wie es sein soll. Alles was meine Monster versuchen, ist mir mein zweifelsfrei wunderbares Leben hier mit ihren Nörgeleien zu zerbeißen. Mein Glück bleibt bissfest!
Ich habe auch gelernt, dass nicht zusammen wohnen und 1000 km zwischen sich zu haben einen nicht zwangsläufig voneinander entfernt. Diese Sicherheit macht das Abenteuer wohl weniger risikoreich, nimmt ihm aber nichts von seiner Spannung, sondern hält lediglich das ein oder andere Monster im Zaum.
Doch dieses Abenteuer könnte wohl überall auf der Welt ähnlich perfekt aussehen. Vielleicht ohne Meer, vielleicht ohne Lieblingspub und ohne englisches Wetter, aber mit Menschen die es erst zu dem machen was es ist. England wäre nicht was es ist für mich, wenn die Rugbydamen arrogante verschlossene Zicken wären, wenn Bruce ein verbitterter über Deutsche schimpfender Kriegsveteran wäre und Tiffy sein Bier lieber allein trinkt, anstatt sich mit der, für ihn zu labelfreien, Ossiblondine zu verabreden. Doch die Menschen hier machen es zum perfekten England und damit zum perfekten Abenteuer für Anne, die vielleicht eines Tages zurück kommt um mehr zu erleben als nur ein Abenteuer.

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