Party, Sport und Bier

Nachdem meine letzte Woche dem Unialltag zum Opfer fiel, hatte ich mir für das Wochenende vorgenommen mich zu amüsieren.
Der Spaß begann gleich Freitag Abend nach dem diesmal sehr harten Rugbytraining. Meine Mitbewohnerin Arele hatte mich zu ihrer Geburtstagsparty eingeladen und darauf bestanden, dass ich nach dem Training unbedingt nachkomme!
Den Wunsch eines Geburtstagskindes muss man erfüllen, also schob ich meinen müden frisch geduschten Rugbyhintern in den nächsten Bus und traf Arele im Nando. Wie ich schnell erkannte war dieses Restaurant eines der vielen Hühnerrestaurants in Brighton. Das bedeutet auf der Karte gibt es nur Gerichte mit Huhn und/oder Salat. Dabei kann man zwischen verschiedenen Beilagen und dem Schärfegrad des Hühnchens wählen. Bis ich und die Kellnerin einander erklärt hatten was vollkommen unscharf heisst und die Bestellung erledigt war, hatte ich bereits fünf der weiteren Gäste Areles kennengelernt. Lauter Hühner in einem Hühnerladen!
Auf dem Foto seht ihr rechts das Geburtstagskind. Ich hatte leider meine Kamera vergessen, daher die Fotohandyqualität.


Die restlichen Gäste hatten sich bereits in dem abgetrennten Partyraum über ihre Hühnchen hergemacht und schnatterten munter durcheinander. Ca. 15 Mädels und ein bald vollkommen überforderter Mann, der nicht Areles Freund war. Ich habe keine Ahnung wem er mit seiner Anwesenheit einen Gefallen tat, aber ich hatte großes Mitleid.


Arele stellte mich kurz als ihre Mitbewohnerin vor und kaum saß ich am Tisch begann das temperamentvolle Verhör. Die Mädels waren so interessiert an mir und meinem Leben, dass ich erstmal garnicht wusste wohin mit der ganzen Neugier. Doch nachdem wir schließlich alle unser Hühnchen verschlungen hatten begann ohne Vorwarnung der eigenartige Teil der Party.
Plötzlich sprangen Alle auf und rannten wie wild umher um sich in allen möglichen Posen mit allen möglichen Leute fotografieren zu lassen, oder selbst zu fotografieren. Der Marathon endete erst, als Arele ihr Verschwinden andeutete und die Veranstaltung sich auflöste. Sehr merkwürdiges Partyverhalten! Arele erzählte mir später, dass Fotografieren für diese Mädels ungefähr so aufregend ist wie für die Männer Fussball. Ich war beeindruckt!




Apropo Sport! Ursprünglich hatte ich für Samstag einen Ausflug in die Gegend geplant. Der Sportkalender machte mir einen Strich durch die Rechnung, denn schließlich durfte ich das Spiel England gegen Australien nicht verpassen.
Ich machte mich also überpünktlich auf den Weg in die Innenstadt um einen nicht ganz so muffigen Pub zu finden, der das Spiel überträgt. Fündig wurde ich letztlich ironischerweise in einer Australian Bar, was für das Spiel ein schlechtes Omen sein sollte.
Da ich viel zu früh beim Pub war machte ich noch einen Spaziergang durch die Stadt und kam zwanzig Minuten vorm Ankick zurück. Wo eben noch Frischluft und Platz an der Bar waren, roch es jetzt muffig und man sah pro qm drei Englandtrikots. Ich beschloss mich zuerst mit einem Kaffee zu bewaffnen. Nach 15 Minuten warten an der Bar war mir letztlich doch nach Bier und mit dem kühlen Hopfen in der Hand bahnte ich mir meinen Weg durch die Männermenge, auf der Suche nach einem Platz mit Blick auf die große Leinwand. Ich wurde recht schnell an einem Bartisch mit zwei Pärchen fündig. Diese beäugten doch meinen Versuch mein Bier auf dem Tisch abzustellen so kritisch, dass ich nachdem ich meine tausend Jacken in meiner Tasche verstaut hatte weiter zog. Mit direktem Blick auf die Leinwand verharrte ich schließlich an einer kleinen Theke und beschloss das Spiel doch stehend zu verfolgen.
Vor mir an dieser Theke saßen zwei Herren und hatten sich gerade 2 Pitcher Bier herangeschafft. Das Spiel hatte kaum begonnen, da bemerkte einer der Beiden eine meiner entrüsteten Schimpfereien und fragte für wen ich denn wäre. Ich behauptete natürlich Englandfan zu sein, da ich ja schließlich meinem Gastland treu sein müsse.
Nach 15 Minuten Stehen drängelte ich mich so freundlich wie möglich an die Theke, erspähte einen freien unter Sporttrikots vergrabenen Stuhl und konnte die Meute sogar überreden diesen für mich zu räumen! Nun saß ich direkt neben einem der Herren. Der verwickelte mich schließlich immer mal wieder in ein kurzes Rugbygespräch und irgendwann bekam er mit, dass ich auch Rugby spiele und nahm auf einmal eine ganz andere Haltung an. Ich war spontan vom hübschen Ding zur ernstzunehmenden Gesellschaft aufgestiegen. Die Halbzeitpause verbrachten wir also mit Fachsimpelei und mein Bierglas füllte sich plötzlich von ganz allein! Der Gute überhäufte mich mit Komplimenten und konnte es kaum fassen eine deutsche Rugbyspielerin zu treffen. Ich erzählte ihm irgendwann beiläufig, dass ich überlege am nächsten Wochenende zum Spiel England gegen Argentinien ist Stadion nach London zu fahren. Da blühte Fred auf, zückte sein Telefon um mir seine Telefonnummer zu geben und meinte ich müsse ihn Dienstag unbedingt anrufen. Er habe über seinen Rugbyverein eine Karte, aber am Wochenende keine Zeit und würde versuchen mir diese zu besorgen. Er müsse nur herausfinden ob sie personengebunden wäre. Zu diesem Zeitpunkt hielt ich es noch für unwahrscheinlich aber möglich. Doch je mehr sich der Bierpitcher leerte, umso unsicherer wurde ich, ob Fred Dienstag überhaupt noch wissen würde wer ich bin.
Beim Abschied verdeutlichte er aber nochmal mit einigen Wiederholungen, dass ich ihn unbedingt anrufen solle! Ich bin gespannt!
Fred, sein Kumpel und ich verloren uns irgendwann in Stammtischdiskussionen und ich fand es erfrischend wie bereitwillig die beiden angesäuselten Herren meine Fragen beantworteten. Mich interessierte zum Beispiel warum derzeit alle eine Pappmohnblume als Anstecker tragen, oder Brighton permanent Feuerwerkskörper in die Luft schießt. Ich fand bald heraus, dass die Mohnblume als Symbol für den "Remembrance Month" steht. Jedes Jahr im November gedenken die Briten ihrer gefallenen Soldaten. Der wichtigste Tag in diesem Monat des Erinnerns ist der Remembrance Sunday, der heutige Sonntag, an dem um 11.00 Uhr für einige Minuten geschwiegen wird und anschließend an wichtigen Denkmälern und Kriegsgräbern Blumenkränze niedergelegt werden. Hier trägt wirklich jeder so eine Mohnblume und auch an der Universität werden sie verkauft. Diese Frage führte dazu, dass Freds Freund mich fragte was ich denn für eine Meinung zum Afghanistaneinsatz hätte. Ein beinahe Versuch Englands rettete mich davor darauf antworten zu müssen!.
Die Geschichte mit den Feuerwerkskörpern findet ihren Ursprung bei einem Versager namens Guy Faweks. Dieser hatte 1605 versucht das Parlament in London mit Hilfe einer riesigen Menge Schießpulver in die Luft zu sprengen und war so kläglich gescheitert, dass die Briten diesen Tag jedes Jahr am 05.11. als Bonfire Night zelebrieren. Teil dieser Feier ist es einen Guy Fawkes aus Stroh feierlich zu verbrennen und jede Menge teures Feuerwerk gen Himmel zu schicken. Sehr mysteriös. Meine Mitbewohner glauben übrigens die Engländer feiern nur das Feuerwerk. Die Geschichte dahinter hat ihnen wohl in den langen Jahren die sie hier leben niemand erklärt. Ich werde das vielleicht mal nachholen!
Alles in Allem eine sehr lehrreiche und überaus unterhalsame Pubrunde.
England jedoch verlor das Spiel und Wales verlor ebenso das Anschließende gegen die All Blacks. Kein gutes Wochenende für die Inselbewohner, aber ein gutes für Anne!



PS:


Kommentare

  1. Ich habe letztlich keine Karte für das Spiel heute bekommen. Wirklich schlimm ist das nicht, da ich am nächsten Wochenende zu einem Spiel nach Twickenham fahre, dass keinen Eintritt kostet. Ich bin gespannt!

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