Robyn ohne Batman

Beginnen möchte ich meine Erzählungen mit einer Aufgabe, die mir unter sehr merkwürdigen Umständen gestellt wurde. Ein Geburtstagskind rief seine Gäste dazu auf, sich aus Anlass ihres 21. zu kleiden wie es. Soweit so gut. Für mich gab es damit verbunden einen Spezialauftrag:

"Anne, can you look gay?!"

"Anne, schaffst du es, lesbisch auszusehen?!"

Ich war zuerst irritiert, dann ein wenig beleidigt. Immerhin wurde mir über die letzten Jahre hinweg immer wieder eingetrichtert, dass Sexualität einem nicht anzusehen sei. Nun wurde ich aber eindeutig dazu aufgefordert, ein Klischee zu repräsentieren. Uff!

Da mir ja nun deutlich gemacht wurde, dass ich keinesfalls ein lesbisches Auftreten an den Tag lege, begann ich also, mir zu überlegen, wie ich Aufgabe eins und zwei miteinander verbinden könne. Es kam mir schnell logisch vor, dass auszusehen wie das Geburtstagskind den Spezialauftrag miterfüllen müsste.

Auf also zum überaus überfüllten Primark! Für ganze 16 GBP erschuf ich ein lesbisches Selbst. Eine zu große Jeans - geliehen von Rachel - und ein Paar noch größerer, flacher Treter kombinierten das Outfit und TADAA!


Da Rachel mir einen Teil der Verkleidung zur Verfügung stellte, durfte sie das Werk auch zuerst bewundern. Ihr Kommentar: "Ach du Scheiße! Das ist einfach zu überzeugend!" verwirrte mich dermaßen, dass ich kurz überlegt habe, doch besser zu Hause zu bleiben. Immerhin sollte es an dem Abend noch in den Schwulenklub gehen. Doch die 16 GBP für qualitativ schlechte Kleidung waren investiert und irgendwie musste ich diese Ausgabe rechtfertigen.

Der Abend war schlussendlich ein Knaller! Da ich in dem Klub überraschenderweise fast ausschließlich von Männern angegraben wurde, konnte ich wie ein homosexuelles Aschenputtel die Nacht durchtanzen, um am nächsten Morgen wieder in meiner ursprünglichen Gestalt zu erwachen.

Es war ein interessanter Ausflug in eine Welt voller Karohemden und Männerunterwäsche, doch ich trage lieber Röckchen und Strumpfhose. Mein Glaube daran, dass man einem die eigene Sexualität nicht ansehen kann, ist ungebrochen. Ein Karohemd macht noch keine Lesbe!

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