Ich bleib' mit mir stehen...
Ich weiß dieser Blog liest sich oft wie ein Märchenbuch. Mir passieren auch soviele wunderbar märchenhafte Dinge, dass ich vergesse von den Schattenseiten zu berichten und natürlich gibt es jede Menge davon. Aber es macht nun einmal einfach keine Freude über weniger schöne Sachen zu berichten und ich will das Keiner so weit weg von mir sitzt und sich Sorgen um mich macht. Also hatte ich wohl beschlossen nur die schönen, spannenden kleinen Abenteuer weiter zu tragen.
Doch das ist nicht fair. Denn auch die weniger schönen Sachen prägen dieses Jahr und verändern mich.
Mein naives Weltbild geriet am Donnerstag in Schieflage. Auf dem Weg zum ersten Rugbytraining, das letztlich ohne mich stattfand, hab ich mich verlaufen und bin einem zuerst eher freundlich gesinnten Teenager begegnet. Ich beherrsche die französische Sprache nicht und er nicht die englische, so dass Missverständnisse wohl vorprogrammiert waren. Als er mir jedoch mein Mobiltelefon aus der Hand riss war das eher unmisverständlich. Nach ewigen Diskussionen auf frenglisch holte ich irgendwann nen Zehner aus meiner Tasche und "kaufte" mein Mobiltelefon zurück. Als ich mich dann einfach davon machen wollte folgte mir Teenie und benahm sich weniger wie ein Gentleman. Doch anstatt ihm einfach meine mit 18mm Stollen besetzten Sportschuhe um die Ohren zu hauen oder ihn wenigstens anzuschreien nahm ich einfach die Beine in die Hand und rannte davon. Die Anzeige bei der Polizei steht nach wie vor aus, da ich französisch sprechende Begleitung brauche und die bisher wenig motiviert ist eine Polizeistation ausfindig zu machen.
Ja ich sollte die verlorene Naivität durch Stärke ersetzen. Doch bisher übe ich mich eher in Verdrängung und Wut über meine ausgebliebene Reaktion. Als ich gestern wieder in derselben Gegend unterwegs war sah ich den Phantomteenie an jeder Ecke, doch der Abend verlief ohne Zwischenfälle. Wahrscheinlich wird es mir noch eine Weile so gehen, doch im Gegensatz zu Donnerstag habe ich jetzt eine Strategie für diesen Moment. Nur die Frage ob diese sich abrufen lässt.
Meine Mitbewohnerinnen und deren Freundeskreis haben mich am Wochenende gut unterhalten und da einer von ihnen zweisprachig (französisch/deutsch) aufgewachsen ist, konnte ich die Geschichte auch einmal ganz ohne Sprachhindernisse mit jemandem aus Fleisch und Blut erläutern. Das Wochenende war dann großartig von WG Party mit durchaus leckeren Aussichten bis zu Essenseinladung und anschließendem Salsatanzabend. Ich war also weder Samstag noch Sonntag vor 3 Uhr morgens im Bett.
Gestern musste ich mich dann unfreiwillig von einem Freund verabschieden. Bruce hat mir über die Universität mitteilen lassen, dass er sich aufgrund familärer Umstände nicht in der Lage sieht dieses Alumniprojekt aufrecht zu erhalten. Er bittet mich auf die schwierige Zeit Rücksicht zu nehmen und keinen direkten Kontakt zu ihm aufzunehmen, sondern wenn ich ihm etwas mitteilen möchte, dies über die Universität zu tun. Ein eigenartiges Ende von etwas das so aussichtsreich begann und mir unglaublich gut getan hat. Noch verarbeite ich diese ganze Geschichte und hoffe das Beste für ihn und seine Familie, respektiere aber natürlich seine Bitte. Ich werde also in ein anderes England zurückkehren und er fehlt mir bereits jetzt. Immerhin haben wir viel Zeit miteinander verbracht und er war mir auch im Studium eine große Hilfe. Was solls!
Frankreich macht mich nicht glücklich. Toulouse ist schön, auch wenn es sich wie eine Lüge anfühlt wenn ich das schreibe, weil ich eigentlich nur denke "es ist ganz nett!". Meine Mitbewohnerinnen sind lustig und dieses WG-Leben hier gefällt mir besser als in England. Trotzdem sehne ich mich nach meiner 5qm Bude.
Meine Monster haben es sich unter dem für eine Person viel zu großen Bett sehr gemütlich gemacht und kein Pub am Strand ist in Sicht der sie einfach weg spült. Ich versuche mich ins studieren zu stürzen, doch mir fehlt die Motivation. Sehnsucht nach Familie, Hexe und Dickem, sowie Heimweh krallen sich an meinem Rücken fest egal wo ich bin und welche Art Ablenkung ich gerade suche.
Vielleicht wird mich das Rugbytraining heute retten, wer weiß. Vielleicht vergeht diese Zeit auch einfach wieder und ich kann diesen ersten sonnigen Winter meines Lebens einfach genießen. Vielleicht musste ich auch einfach mal über die schattigen Seiten schreiben um sie abschütteln zu können. Ganz sicher aber höre ich auf zu jammern.
Ja, mit Rugby ist alles besser! Mein Geist ist ausgeglichen und sieht klarer. Wenn Frankreich mich nicht glücklich macht, muss ich mich selbst glücklich machen. :)
AntwortenLöschendiesen einen idioten ganz frankreich zur last zu legen, wäre als würde man von herrn oettinger auf ganz deutschland schließen. das will doch wirklich keiner, oder?
AntwortenLöschensolche sachen passieren in meinem geliebten london genauso mehrmals am tag wie in berlin oder madrid. idioten gibt es überall. diesmal hat es eben mich erwischt und das aus versehen in frankreich.
so verdirbt es mir nur drei monate und nicht meine zeit in england ;)
übrigens zieht die badverwüsterin aus :D es kann also sein das ich ab april ein größeres zimmer und/oder einen neuen mitbewohner habe. Noch hoffe ich das Tiffy das Zimmer nimmt. Er ist mit seinem derzeitigen Vermieter im ständigen Klinsch und sucht schon ne Weile was neues. Die Chancen auf ein geputztes Bad steigen!
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