Immernoch Frankreich

Ich gebe zu, ich habe mich hier rar gemacht. Es gab aber nichts zu erzählen, aus meiner Sicht. Ich könnte Seiten mit den Erlebnissen vom Wochenende in London füllen, doch zu Frankreich fiel mir nichts ein.
Nun sitze ich hier und versuche euch etwas zu erzählen und mir fallen nur winzige Kleinigkeiten ein. Vielleicht kommen die Erlebnisse ja beim Schreiben zurück.

1. Sprachspiele

Donnerstag hatte ich meine erste französisch Sprachstunde. Ein voller Erfolg, da bis auf die Lehrerin jeder in diesem Raum englisch sprechen konnte und der "Anfängerkurs" so besonders nützlich ist. Ich werde sehen wie sich das weiter entwickelt.
Diesen Sprachkurs überhaupt zu bekommen war schließlich aufwändig genug. Denn natürlich kann in dem Büro für Internationale Studenten in dem man französch Anfängerkurse vermittelt niemand eine andere Sprache als französich sprechen. Logisch!
Dann habe ich mich letzte Woche zum Friseur gewagt, da ich mein selbstzerschnittenes Ponyhaar nicht mehr ertragen konnte. Über die Fremdsprachenkenntnisse brauche ich nichts zu sagen, denke ich. Die Friseurin war jedoch so niedlich nervös und bemühte sich sehr mit mir über Zeigen und Beschreiben zu kommunizieren, dass ich blieb und mir von ihr für 7 EUR einen vorzeigbaren "Haarschnitt" verpassen ließ. Jetzt seh ich immerhin nicht mehr aus wie ein Wellensittich in der Mauser.
Am Dienstag musste ich meinen Aufsatz für Sussex per Einschreiben nach England schicken. Da ich mich ja langsam an die Sprachbarriere gewöhnt hab, bat ich Elise mit mir zur Post zu kommen. Das stellte sich als die beste Entscheidung meines bisherigen Aufenthaltes heraus und ich konnte sicher gehen, dass der Brief auch wirklich dort an kommt, wo er hin soll!

2. Rugby V.I.P.

Das Highlight der vergangenen Woche ergab sich Freitag Abend. Die Rugbyladys vom Verein in Toulouse sollten als "Vorprogramm" zu einem Internationalen U20 Spiel der Herren ein Freundschaftsspiel im 12er Rugby geben. Leider machte der SCHNEE ihnen einen Strich durch die Rechnung. Hier bricht alles zusammen bei 3 Schneeflocken.
Dennoch hatte der Verein keinen Mangel an Freikarten und so wurde ich eingeladen mir das Spiel anzusehen. Es spielte Frankreich gegen Südafrika. Das Spiel war großartig, Südafrika gewann, und ich dachte "Supi, jetzt noch auf n Bierchen irgendwo hin und dann is gut."
So ÄHNLICH lief es dann auch.
Nur das blaue Bändchen verteilt wurden und wir einfach mal so mit den Spielern der beiden Teams zusammen Bier tranken und uns am kostenlosen Buffett bedienten. Ich habe mich gefühlt als wäre gerade Keanu Reeves persönlich in meinem Umfeld aufgetaucht und habe zu keiner Zeit auch nur ein Wort rausgebracht. Gerade als ich mich nach 3 Glas Rotwein in der Lage sah den Flanker der Südafrikaner um ein Foto zu bitten tippte mir meine Fahrerin auf die Schulter und verkündete ihren Aufbruch. Ich ärger mich heut noch.
Aber eines muss mal gesagt werden: Wie U20 sah keiner von denen aus!!!

3. WG-Leben

Hier ist zur Zeit süße Ruhe eingekehrt.
Die Partymaus ist zu Freunden nach Dublin gefahren und Elise hat Mitte letzter Woche verkündet, dass sie ne Partypause braucht. Oh wie tragisch! Also blieb das Wochenende leider, leider ohne dröhnende Bässe bis morgens halb neun und ich konnte mal wirklich schlafen, auch ohne Oropax. Wunderbar!!!
Ich genieße es auch mal wirklich Zeit mit einem der Mädels zu verbringen. Elise und ich schwatzen viel. Zu dritt war das irgendwie schwieriger, da die beiden sich untereinander natürlich auf französisch unterhalten und ich nicht immer dazwischen funken wollte.
Gestern hatte ich dann zum ersten Mal eigenen Besuch. Geladen waren 5 Studienkollegen. Dank eines Missverständnisses untereinander erschienen nur zwei. Ich hatte ja auch nur Essen für 7 Personen zubereitet. So schlugen wir uns die Bäuche mit dem bestellten deutschen Essen voll. Nein es gab keinen Sauerbraten oder Kartoffeln und Quark, sondern Kohlrouladen. Die Franzosen waren tatsächlich begeistert und wir schafften immerhin 3/4 des zubereiteten Essens allein und ihr wisst ich koche meist in viel zu großen Portionen!
Es war ein gemütlicher Abend und ich fand es super die Mädels die da waren mal außerhalb der Uni zu sehen und kennenzulernen. Dienstag seh ich dann alle zu einem Dinner, dass von der Uni organisiert wurde und Donnerstag lädt Jen, eine meiner zwei gestrigen Gäste, zum Abendessen bei sich ein.

4. Frankreich und Ich

Man kann die Franzosen nicht lieben lernen, wenn man ihre Sprache nicht spricht. Man schlägt sich durch und gibt sein Bestes nicht aufzufallen, aber man kann das Leben hier nicht mögen ohne Kommunikation. Natürlich nicht!
Ich verstehe zwar immer besser worum es in den einzelnen Gesprächen geht, bin deswegen aber noch lange nicht in der Lage angemessen zu antworten.
Als ich Samstag Nachmittag in einem Irish Pub war um ein Rugbyspiel zu sehen, konnte ich den rassistischen Liedern der Franzosen und den bösartigen Äußerungen gegenüber der irischen Gäste, die sich eben mit einem "excuse me" den Weg bahnten und nicht mit einem "pardon", sehr gut folgen.
Nur zu gern hätte ich mich umgedreht und dem fetten Ignoranten erklärt, dass er dann versuchen kann sein Rugbyspiel in einem französchen Cafè zu sehen und die Welt nichts dafür kann, wenn er noch nie aus dem Nest rausgekommen ist in dem er großgeworden ist und sein geistiger Horizont an seiner Nasenwurzel endet. Doch es ging nicht. Auf englisch hätte er es nicht verstanden und sich in die Hosen gemacht vor lachen und seine Sprache beherrsch ich nun einmal nicht.

Dann habe ich mich gefragt, ob ich eigentlich besser bin als er. In ein Land zu gehen mit dem blauäugigen Glauben an Englisch als Weltsprache und zu erwarten, dass diese Menschen hier sich auf mich einstellen.
Meine Wut war weg. Ganz plötzlich, denn ich wusste ich war nicht besser. Ich habe die Wut auf mich und meine Sprachunfähigkeit auf die Franzosen abgewälzt, denn schließlich sind sie ja Schuld, dass ich hier mit Keinem kommunizieren kann. Sehr einfach.
Also habe ich mir vorgenommen mich zusammen zu nehmen und die Wut in Produktivität umzuwandeln. Produktivität beim Erlernen der Sprache, beim Studium und im täglichen Leben.
Wir werden sehen was es bringt.

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