He|raus|for|de|rung - Substantiv, feminin; Anlass, tätig zu werden; Aufgabe, die einen fordert

Morgen beginnt Woche fünf in diesem Trimester. Dies ist Halbzeit und traditionsgemäß die Woche in der man bemerkt wie fertig man nach nur zwei Wochen wirklichen arbeitens ist und wie unvorstellbar es einem vorkommt noch fünf weitere Wochen zu überstehen. Es scheint jedoch diesmal anders zu sein.

Doch zuerst einmal ein Bericht über die letzten Wochen.
Von meiner großen Chance eine Vorlesung zu halten, habe ich euch ja berichtet. Natürlich kann ich mir ein Beweisfoto nicht verkneifen.


Es wäre wohl doch zu eigenartig gewesen, wenn ich aus meiner Perspektive den Hörsaal fotografiert hätte. Ihr müsst also leider auf den beeindruckenden Anblick von ca. 300 Studenten verzichten. Einen Blick auf den leeren Hörsaal kann ich euch allerdings verschaffen. Ich hatte kurz überlegt meine Paintkünste unter Beweis zu stellen und Studenten einzufügen, habe es aber letztlich doch gelassen.


Eine Vorlesung zu halten war eine großartige Erfahrung! Die Universität hat mich nun bereits für dasselbe Thema bereits für das nächste Jahr wieder als Dozentin vorgemerkt. Es wäre wiederum nur eine einzige Vorlesung, aber immerhin!

Aufregend war auch der letzte Mittwoch. Die Rugbymannschaft hatte das erste Spiel! Nach drei Wochen hartem Training mussten wir uns also zum ersten Mal unter Beweis stellen. Es war ein unglaublich hartes und leider auch recht unfaires Spiel.


Erst am heutigen Sonntag hat sich mein Körper einigermaßen erholt: Der Muskelkater lässt nach, die Knie hören auf zu quietschen und die Andeutung des blauen Auges ist vollständig abgeschwollen.
Das Problem ist nun: An diesem Mittwoch folgt das nächste Spiel. Diesmal gegen den derzeitigen Tabellenführer. Ich werde euch auf dem Laufenden halten!

Ich hatte euch ja auch von dem Hauskater und der hübschen Katzenfrau erzählt. Die Schönheit hat leider ihre Beautytasche gepackt und ist mit ihrem Liebsten aufs Land gezogen. Der Kater folgte vor zwei Tagen. Doch das Zimmer blieb nicht sehr lang leer und schon seit fast einer Woche wohnt hier eine quirrlige Britin deren Akzent ich nach wie vor nur schwer verstehen und schon garnicht einer Region zu ordnen kann. Nun wohnen wir hier erst einmal eine Weile sehr katzenlos! Doch es gibt den Plan entweder eine WG-Katze zu adoptieren oder das sich noch im Ausland befindliche Schmusetier der Neuen herzuholen.

Da die Wochentage vollgepackt sind mit studieren, unterrichten, komischen Beratungen, überflüssigen Terminen und jeder Menge Sport halte ich mir die Wochenenden für den Spaß frei. Gestern Nacht lud Brighton ein zur White Night.




Dieses Festival ist eine Mischung aus der Museumsnacht, dem Bierathlon und der Langen Nacht der Wissenschaften.
Ich habe also gestern Nacht Mona Lisa erröten lassen


bin durch den Himmel direkt in die Hölle gewandert





und habe eine sehr fremdartige Liveperformance fluchtartig verlassen. Zusammen mit Rachel durchstöberten wir den mit einer Musikinstallation versehenen Royal Pavillion bei Nacht



und bestaunten den verrückten Jahrmarkt mit Charlston Tanzkurs mitten im Zentrum.



Diese Stadt wirkte so fremdartig, dass ich genauso gut auf einem anderen Planeten hätte wandeln können. Eine leicht gruslige, zauberfrische Märchennacht.

Als Abschluss dieser Erzählung dient heute der Bericht über einen doch recht beachtlichen persönlichen Erfolg. ICH WAR BEIM ZAHNARZT! Sehr erfolgreich wurde gerichtet, was gerichtet werden musste, ohne das ich an den Stuhl gefesselt werden musste. Die junge Zahnärztin war sehr freundlich und ließ sich durch meine Nervosität weder iritieren noch aus der Ruhe bringen. Nach 13 Minuten war die Behandlung überstanden und ich bin seitdem wieder zahnschmerzfrei. Empfohlen wurde mir auch eine Zahnreinigung, die ich auch bereits hinter mich gebracht habe. Ich muss gestehen, dass diese Reinigung wesentlich unangenehmer war als der eigentliche Zahnarztbesuch.

Der sonnige Herbst ist nun vorbei. Heute war es bereits 17.48 stockdunkel und mein Gemüt bereitet sich auf den November vor. Mal sehen ob es hier so wunderbar aufmunternde UV-Glühbirnen gibt. Soviel Schokolade kann ja niemand essen um den Sonnenverlust auszugleichen. Obwohl ich es natürlich auf einen Versuch ankommen lassen werde.

Die nächsten fünf Wochen werden eine Herausforderung sein. Doch ich freue mich auf jede Einzelne. Ich spüre wie die Novembertrübsinnigkeit durch meine Fußsohlen hinauf in meinen Körper kriecht, doch diesmal fürchte ich mich nicht. Es werden spannende fünf Wochen angefüllt mit Sport, Ausflügen, neuen Menschen und Geschichten.



P.S: Die spinnen, die Briten!


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