Altes, Neues und Geborgtes

Es vergingen wieder ein paar Tage und es gibt wieder ein paar Kleinigkeiten zu berichten. Mein PHD dümpelt etwas vor sich, das zweite Trimester ging ja auch gerade wieder los, doch mitlerweile nehme ich das gelassen hin. Das Unterrichten macht nach wie vor Freude und das ich nicht jedes Seminar 110 prozentig vorbereiten kann schreckt mich auch nicht mehr. Au-Pair sein nervt, aber was solls!

Das Alles erträgt sich ganz wunderbar angesichts der Sommerpläne. Ich weiß, Sommer ist noch lang hin. Doch ich weiß auch, dass 5 Monate wie im Flug vergehen können, wenn man drei Jobs hat! Ich werde zum 01.07. meinen Au-pair Job aufgeben. Das weiß zwar die liebe Sue noch nicht, aber sie wird es schon früh genug erfahren! Wenn alles gut geht ziehe ich dann in eine 3er-WG mit Bea und Rachel. Doch auch das ist noch lang lang lange hin!

Da ich diesen Job nun aufgebe brauche ich ja einen neuen der dann die wieder anfallende Miete abwirft. Auf der Suche danach befinde ich mich gerade und es scheint sich heute ein Türchen geöffnet zu haben. Doch andere Geschichten zuerst.

In drei Tagen ist endlich meine LL.M. Abschlussfeier. Ich bin jeden Tag aufgeregter. Nicht nur weil ich mich auf das Tragen des albernen Hutes und der Robe freue, sondern auch weil meine Eltern tatsächlich her zu kommen scheinen. (Ja, der Liebste kommt auch her, aber das ist irgendwie weniger zweifelhaft!) Es wird ihr erster Besuch in England sein und für meinen Vater sogar der erste Flug mit einem Flugzeug dieser Größe. Ich versuche mich noch nicht zu sehr zu freuen, denn es ist noch genug Zeit für sie es sich anders zu überlegen, doch es fällt mir immer schwerer.

Ein Wiedersehen gibt es dann auch mit Burcu. Doch diese reist schon morgen an und es gibt soviel zu bereden! Wir treffen uns morgen zum Frühstück am Bahnhof in Brighton und ich bin gespannt wie das Wiedersehen laufen wird.

Dann trug mir ein lange verschollener Freund gestern die Kunde zu, dass er Vater wird. Es ist ein offenes Geheimnis, dass ich unter Umständen etwas eigenartig auf solche Bekanntmachungen reagieren kann. Diese Nachricht allein konnte ich noch gut unter "wir sind jetzt eben in dem Alter" verbuchen. Schwieriger wurde es als selbiger Freund meine Englandberichte und das PHD-Studium kaum zu würdigen wusste. Ich hätte mir sagen müssen "er kennt mich einfach nicht mehr" doch stattdessen stellte ich mir die Frage warum Nachwuchs bejubelnswürdiger ist als eigenes berufliches Vorankommen. Ich kam zu keiner Antwort und mein Gelbling und ich gingen mit Bauchweh schlafen.

Zur Feier dieser Nachricht verkündete nun heute der Dekan der Juristischen Fakultät fröhlich frech vor den anderen Assistenten, dass er mit mir zu reden hätte. Ich war schwer begeistert und fürchtete das schlimmste. Unsere Verträge werden jährlich überprüft und sollten wir nicht genug Leistung erbringen, würden wir den Job aufgeben müssen. Da ich immernoch eine Menge Aufsätze zu lesen und zu bewerten habe, fürchtete ich also zumindest eine Abmahnung.

Es kam alles ganz anders!

Er begann damit das Gespräch als vertraulich zu bezeichnen. Ihr verratet doch keinem, dass ich das im höchstöffentlichen Internet herumposaune, oder? Dann erzählte er mir, dass einer meiner Betreuer der PHD-Arbeit im Herbst für ein Forschungsjahr das Land verlassen wird. Das war mir nichts neues. Doch dann bot mir der Herr von dem ich eine Abmahnung erwartete doch tatsächlich an im nächsten Jahr europäisches Recht zu unterrichten. Ich musste alle Antrengung darauf verwenden meine Kinnlade nicht fallen zu lassen. Es wäre doch unfair wenn man die Stelle ausschreiben würde, wenn man doch einen Europarechtler vor der Nase sitzen hat. Schweigen von meiner Seite.
Es wurde aber noch besser. Im nächsten Atemzug riet er mir schon fast davon ab dieses Angebot anzunehmen mit der Begründung ich hätte so einen brillianten Job im Öffentlichen Recht abgeliefert, dass es doch besser wäre, wenn ich dabei bleiben würde. Nach gefühlten zwei Stunden, es waren wohl eher zwei Minuten, war ich endlich dazu in der Lage mich zu äußern.
Dabei war ich doch tatsächlich so geistesgegenwärtig, dass mir mein Jobsucheproblem einfiel. Ohne das Lob also irgendwie zu bewerten legte ich gleich los und meinte ob es nicht die Option gebe beides zu unterichten. Wir diskutierten kurz wie das ablaufen könnte und ich bin gespannt ob sich ein Weg findet das so umzusetzen. Das wäre wirklich unfassbar.

Mein Gelbling verkroch sich ganz plötzlich wieder auf Erbsengröße geschrumpft und mein in England gefundener Stolz ließ mich den Rest des Tages grinsen. Keiner weiß was ich nun unterrichten werde, doch dieses Angebot ist für mich schon eine Auszeichung und Anerkennung meiner Arbeit. Manchmal kommt Lob doch genau dann, wenn man es am dringendsten braucht. Doch nun habe ich genug erzählt und widme mich wieder den Aufsätzen. Wir wollen ja nicht das der Herr Dekan seine Meinung noch ändert.

Kommentare

  1. Hihihihihihi... Ich bin heute aufgewacht mit dem Gefühl es nur geträumt zu haben. So gut war der Moment! Irre, einfach nur irre!
    MEIN EUROPARECHT! UNTERRICHTEN! Hihihihihihihi... hihi..

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  2. Mensch mensch mensch.... was soll man dazu sagen.
    Humf unterrichtet das, was Humf schon immer machen wollte. Echt krass!!!
    *stolz auf dich bin*

    Achso und Europarecht stinkt!

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