1 Woche 2 Tage 2 h 40 min

Dann habe ich hoffentlich mein Gepäck in der Hand und verlasse in einem silbernen PKW das Flughafen gelände in Berlin. Ich habe solches Heimweh, aufzuzählen was ich nicht vermisse würde weniger Zeit und Zeilen in Anspruch nehmen.

Erzählen wollte ich euch jedoch von der seltenen Gelegenheit hinter die Kulissen einer Mädchenprivatschule schauen zu dürfen. Natasha (die 10 Jährige und damit Älteste der drei Teufel) lud mich am letzten Freitag morgen spontan zu ihrer Aufführung am späteren Nachmittag ein. Wir hatten die letzten Wochen damit verbracht Recherche über Indien anzustellen, Poster anzufertigen, Vortäge auszuarbeiten und Text zu lernen. Ich fand die Idee großartig mir also ein Teilresultat in Form der Theateraufführung ansehen zu können. Die Mutter hatte nichts dagegen und so versteckte ich mich in der vierten Reihe zwischen peinlich stolzen Eltern neben meiner ununterbrochen die Kamera zückenden Hausherrin.

(Natasha sitzt in der unteren Reihe an zweiter Stelle von links)

Es war schon zauberhaft die Mädchen (ja es sind alles Mädchen auch wenn es auf dem Bild etwas anders scheint) in ihren Kostümen zu sehen. Es bliebt natürlich nicht aus, dass ich Parallelen zu meiner Schulzeit zog und plötzlich erinnerte ich mich an die furchtbarste Theateraufführung in meinem Leben (Text vergessen, Lachanfall, Requisite verbummelt usw.). Doch die Ladies schlugen sich hervorragend und Natasha wirkte garnicht mehr selbstsicher und bestimmt. Ich denke diese Erfahrung tut ihr gut.

Mich hingegen wühlte das Konzept dieser Schule doch etwas auf. Ich störte mich nicht an dem überstolzen Vater der mitten in der Aufführung den Namen seiner Tochter brüllte, auf sich zeigte und Daddy rief. Mich iritierte auch nicht die mehr über sich selbst philosophierende als die Kinder lobende Direktorin. Es war eher das Thema in Verbindung mit dem Schulkonzept das mich etwas verwirrte und noch ein paar Tage zynisch bleiben ließ.

Wenn man über Indien nachdenkt fällt einem neben freilaufender Kühe, Bollywood und der ein oder anderen Indien verrückten Freundin noch ein Name ein: Ghandi! Vielleicht kennt nicht jeder Details aus dem Leben dieses Mannes, doch man kennt die Ideale für die er stand, die Gleichheit aller für die er kämpfte und die Freiheit Indiens für die er starb.

Nun saß ich da, in einer britischen Mädchenprivatschule, zwischen Armanibrillengestellen, Pradastiefeln und Kashmerepullovern und sah mir ein Stück über Ghandis Kampf gegen die Briten an. Als wäre das nicht genug wurde sodann die Gleichheit aller gepredigt und die Überwindung der Kasten gelobt. Ich schüttelte unmerklich den Kopf und kann bis heute nicht begreifen warum keiner den Widerspruch erkannte.

Es ist ganz wunderbar das diese Kinder etwas über Ghandi gelernt haben, doch ihnen Werte vermitteln zu wollen die man selbst nicht lebt wirkt doch sehr ironisch. Diese Mädchen fürchten sich vor Jungs in ihrem Alter! Sie lästern über Mädchen die in VWs und nicht in einen Mercedes steigen. Sie misgönnen ihren eigenen Geschwistern deren Geburtstagsgeschenke. Reicht es wenn wir ihnen da sagen was das richtige ist? Wie die Mutter bei einer anderen Angelegenheit so schön sagte: "Do as I tell you, not as I do!"

Ich wünsche mir einen Blick in die Zukunft.

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