"How are you?"

Eine Frage die man je nach Persönlichkeit vollkommen unterschiedlich ehrlich beantworten würde. Der Eine sagt nur "Gut, und selbst?", ein Anderer meint schon eher "Naja, könnte besser gehen, aber erzähl doch von dir!" und ein Dritter äußert sich schwafelnd und kommt nach 1 1/2 Stunden zum Schluss mit dem Satz "Ich muss leider los, aber schön das es dir gut geht."

Ich werde gern gefragt wie es mir geht. Ich gehöre zur Kategorie der Anderen. Zuerst taste ich den Gemütszustand meines Gegenübers ab bevor ich selbst erzähle. Doch gerade bin ich froh, dass mich kaum jemand wirklich ehrlich danach fragt wie es mir geht. Ein "Gut, und selbst?" würde mir vorkommen wie eine Lüge, doch es gibt keine Katastrophen zu vermelden.

Die Regentage spielen mit meinem Gemütszustand Ping-Pong. Die Wärme der Sonne weicht aus der Luft und so weicht auch das Gefühl von Sicherheit und Überzeugung. Doch das ist in jedem November so. So ist mein November.

Hingegen neu ist dieses Leben. In dieser Woche prallen zum ersten Mal meine drei Aufgaben aufeinander. Es ist die erste Woche in der die Kinder zur Schule gehen, ich unterrichte und ebenso eine PHD-Besprechung vorbereiten muss. Es ist erst Dienstag Abend und mein Körper ist vollkommen verspannt und meine Geduld angelsehnen dünn.

Ich bin zu spät hier um die Kinder in Empfang zu nehmen und sie müssen bei einer Nachbarin unterkommen und ich bereite das falsche Abendessen zu.

Die Vorlesung die meinen Seminaren voran geht hinkt hinterher, sodass ich in meinen Gruppen nicht vernünftig arbeiten kann sondern Grundlagenfragen beanworten muss. So mancher Student kommt dann auch mal auf die Idee Fragen aus anderen englischen Rechtsgebieten zu stellen, auf die ich garkeine Antwort wissen kann. Ich fürchte nach dem dritten "das ist hier nicht relevant" fühlten sie sich veralbert.

Ich habe meine Fragen verloren. Leider nicht in dem Sinne, dass ich sie mit Antworten gefüllt hätte. Eher in dem Sinne, dass ich nicht mehr weiß was ich eigentlich in meinem PHD erforschen wollte. Dies ist nicht wirklich vorteilhaft wenn man in einem 2 Stündigen Treffen eben dies besprechen und eine Arbeitsstrategie für die nächsten Monate/Jahre erarbeiten soll.

Die erste Woche in meinem neuen Leben lief also bisher nicht zu meinem Vergnügen. Wobei dies alles schlimmer klingt als es ist und die aufmunternden Aspekte auslässt. Es ist doch erst Dienstag!

Die Kinder mögen Lasagnesoße auch mit Reis. Die Studenten bedanken sich nach Seminaren für die Erklärungen und beteuern, dass sie es endlich verstanden hätten. Die Professoren nehmen die irrsinnigen Aufgaben sogar mit kleinem Schuldeingeständnis zurück und geben überschaubarere Aufträge.

Was ich brauche ist Sonne, Duschen im saubersten Raum einer Männer-WG, Billigen Champagner in einer WG-Küche oder Eis auf hellem Teppichfußboden. Ich brauche Rotwein auf einem weißen Sofa, Frühstück auf einer Sonnenterasse und Wettrennen mit einem Vierbeiner. Mir fehlt der Sommer und ihr!


:: MTV | Silbermond - Krieger des Lichts

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Venedig

"Liar, liar pants on fire!"

Rückblick und Aussichten